Unsere Lieblingsstrände im Südosten

Wo kommt nur all die Schönheit her?

Weicher Sand und klares Wasser. MALLORCAS OST- UND SÜDKÜSTE ist von Traumstränden gesäumt. Mehr als 60 liegen zwischen Capdepera und Campos. ISLA hat sich auf die Suche nach dem Geheimnis der Strände gemacht und herausgefunden, wie Wind, Wellen und Vegetation zusammenspielen.

Strand, Wind und Wellen

Ein Strandspaziergang im Frühjahr. Zum Baden ist es meistens noch zu kalt. An der flachen Südostküste weht um diese Jahreszeit oft eine steife Brise. Mit Kraft rollen die Wellen an den Sandstrand. Vom Sand ist hier freilich nicht viel zu sehen. Große Haufen dunkler Algen bedecken den Saum zwischen Land und Wasser. Und das ist gut so. Die schweren, feuchten Haufen befestigen den Strand, Wind und Wellen können die leichten Sandkörnchen nicht davontragen. 

See- oder Neptungras nur im Mittelmeer

ISLA Travel CALA D‘ES MORO Die Maurenbucht heisst dieser kleine Strand in der Nähe von Cala Llombards. Er ist sehr gut besucht. Wer auf dem schmalen Sandstreifen ein Fleckchen finden will, sollte früh da sein.

Was sich hier auftürmt und der Witterung trotzt, sind keine Algen. Es ist das Laub einer Wasserpflanze. Sie heißt Posidonia oceanica, See- oder Neptungras auf Deutsch. Sie gehört zu den marinen Blütenpflanzen. Die Art gibt es nur im Mittelmeer. Ihre schmalen, grünen Blätter betreiben Photosynthese, deshalb braucht die Pflanze sauberes, lichtdurchlässiges Wasser. Neptungras bildet vor der Küste der Balearen große Unterwasserwiesen. Es gehört neben Korallenriffs und tropischem Regenwald zu den wichtigsten Ökosystemdienstleistern der Welt, denn es bindet viel CO2, Kohlenstoffdioxid. Das heißt, der Mensch zieht aus ihnen viel Nutzen, besonders auf Mallorca.

Klares, blaues Wasser und feiner Sand

ISLA Travel CALA ALMUNIA Hier liegt man auf Anlegerampen der Fischer oder vom Meer abgeschliffenem Naturstein. Im seichten Wasser kann man zwischen den Felsen und Seegraswiesen toll schnorcheln.

Das Seegras birgt das Schönheitsgeheimnis der Insel. Denn es sorgt für klares Wasser und feinen Sand. Es hat Mallorca zu einer einmaligen Karriere als Urlaubsziel verholfen. Das Meeresforschungsinstitut Imedea in Esporles beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit dem Zusammenspiel von Wellen, Wind und Vegetation. Eine Gruppe rund um die Biologin Núria Marbà will wissen, warum Strände wie s‘Amarador, Cala s‘Almunia oder Cala Llombards so schön sind. Ihre Erklärung ist einfach und zeigt zugleich, wie fragil das Zusammenspiel ist. „Neptungras speichert Schwebeteilchen, die zu Boden sinken und dort zu Substrat werden. Und es gibt viel Sauerstoff ins Wasser ab“, erklärt Marbà, „deshalb ist das Mittelmeer so blau und das Wasser so klar“. Seegraswiesen sind außerdem die reinsten Sand- und Fischfabriken. Beim Schnorcheln oder Tauchen kann man das erkennen. Auf den langen Blättern sitzen weiße, kalkhaltige Strukturen. Sterben die Blätter ab, werden diese Partikel Teil des Sandes, neben den Resten von Muscheln und Schneckenhäusern, die die Wellen im ewigen Spiel zerreiben. Die Teilchen treiben dann an Land und bedecken die Strände der seichten Süd- und Ostküste. Viele Tiere suchen die Wiesen zum Ablaichen auf, verstecken dort ihre Eier. Und kleine Fische kommen zum Fressen oder suchen zwischen den langen Blättern Schutz vor Raubfischen. Steinkorallen oder Manteltiere leben hier und Tintenfische, die wiederum größeren Tieren als Nahrung dienen, zum Beispiel vom Aussterben bedrohten Arten wie der Mittelmeer-Mönchsrobbe oder der unechten Karettschildkröte. Die Schönheit ist bedroht

Die Schönheit ist bedroht

Doch Seegras gehört weltweit zu den meist bedrohten Arten. Verschmutztes Wasser, dicht bebaute Küsten, Hafenanlagen, invasive Arten und die Erwärmung des Mittelmeeres sind die größten Feinde – und die Anker der Yachten, die beim Lichten Furchen in die Wiesen reißen. Ist das Seegras verschwunden, wird das Wasser trüb und verliert seinen strahlenden Blauton. Und wo die Pflanze fehlt, da bleiben auch die Tiere aus – und den Sandstränden fehlt der Nachschub. Ist das Gleichgewicht gestört, muss der Mensch eingreifen. Dort, wo die Küste verbaut ist und das Wasser durch schlecht geklärte Abwässer oder viel Schiffsverkehr getrübt ist, muss regelmäßig Sand aufgeschüttet werden. Der Sand wird vom tiefen Meeresgrund geholt. Er ist grau und grob.

Niemand will absichtlich Seegraswiesen zerstören

ISLA Magazin SEEGRASWIESEN Unter dem Wasser blüht das Leben. Keine Angst also vor den dunklen Stellen!

Dem will die Balearenregierung nun etwas entgegensetzen. Seegras soll ab diesem Sommer unter Schutz gestellt werden. Das heißt, dort, wo sich die Wiesen ausbreiten, darf grundsätzlich nichts gebaut oder verändert werden. Auch das Ankern soll dort verboten werden. Bojen auf sandigem Grund und eine Unterwasserkarte sollen Seglern zeigen, wo sie anlegen können. „Niemand will absichtlich Seegraswiesen zerstören“, sagt die Biologin Núria Marbà, „den meisten ist einfach nicht bewusst, welchen Schaden ihr Anker anrichten kann.“ Marbà und ihre Kollegen vom Meeresforschungsinstitut Imedea haben nun begonnen, Seegras im Labor zu züchten und vor der Küste stellenweise neu anzupflanzen. Ob das Projekt erfolgreich ist, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen, denn Seegras wächst sehr langsam. Es ist ein so genanntes Genet: Einzelpflanzen sind miteinander durch horizontal wachsende Sprossen verbunden, so genannte Rhizome. Sie hängen miteinander zusammen und überziehen nach und nach den sandigen Meeresgrund.

Die besten Wellness-Ideen der Natur

Wer sich also beim Schwimmen vor den dunklen Flecken schreckt, der sollte wissen, dass dort unten all das entsteht, was unseren Mallorca-Urlaub so schön macht. Kaum eine andere Insel, abgesehen von den Nachbarinseln Menorca, Ibiza und Formentera, bietet ihren Besuchern ein so weiches Bett zum Sonnenbaden. Schließlich gibt es nichts Schöneres als einen Nachmittag im warmen Sand zu verbringen oder beim Strandspaziergang die feinen Körnchen zwischen den Zehen zu spüren. Kaum eine andere Naturerfahrung ist so sehr mit Entspannung verbunden. Warmer Sand und kühles Wasser, das sind die besten Wellness-Ideen der Natur. Und sie sind die perfekte Einladung zum Nichtstun: Am Strand dürfen wir hemmungslos faul sein.


Leser-Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar, z.B. Ihre persönlichen Erlebnisse, fehlende Details, zusätzliche Informationen oder aufgetretene Änderungen.

Vielen Dank!

* Pflichtfeld
Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet