Tschüss Flamingos!

Scheu, schön und Rosa

Wer sich beeilt, kann jetzt bei Campos noch Flamingos bewundern – mit dem Fernglas. Ende April ziehen sie dann weiter, und lassen sich erst im August wieder blicken. Flamingos sind die Herren des Mittelmeers. Sie fliegen hin und her, kreuz und quer, wie es ihnen gefällt. Auf ihrem Streckennetz ist auch Mallorca eingezeichnet, genauer das Feuchtgebiet hinter dem Naturstrand Es Trenc, bei Campos an der flachen Südküste. Derzeit sind einige hundert der rosa Wandervögel da. Sie kommen im August und verabschieden sich im April, um irgendwo anders zu brüten, im Ebro-Delta in Katalonien, in der Lagune von Fuente de Piedra bei Málaga oder in der französischen Camargue.

DIE ROTEN, KLEINEN SALZ- KREBSE GEBEN DEN VÖGELN AUCH IHRE ROSA FARBE

Flamingos sind eine so genannte Flaggschiffart: Sie sind so schön, dass sie die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen und damit den Schutz ihrer Lebensräume erleichtern. Deshalb will Mallorca die Vögel zum Bleiben überreden. Sie sollen auch den Sommer auf Mallorca verbringen, hier brüten. Denn die Landesregierung will das gesamte Hinterland von Es Trenc, inklusive Strand, unter Schutz stellen und es damit endgültig vor Bebauung schützen. Flamingos wären da die richtigen Lockvögel. Doch noch lassen sie sich bitten. 

Umweltschützer haben jüngst eine Insel in der Saline von Es Trenc von Gestrüpp befreit, in der Hoffnung, die Flamingos würden dort ihre ungewöhnlichen Nester bauen: Kleine Vulkane aus Schlamm, in deren Öffnung sie ihre Eier legen. Die Tonkegel haben sie zwar gebaut, aber sie blieben leer. Niemand weiß warum, aber man vermutet, den Tieren war es zu unruhig. Die Zufahrtstraße zum Naturstrand Es Trenc führt direkt an den Salinen vorbei. 

DIE FLAMINGOS KOMMEN ÜBERALL HER

Jordi Muntaner von der Umweltbehörde beobachtet und identifiziert die Flamingos der Saline seit vielen Jahren. Mit seinem Fernglas kann er die Ringe an den Beinen der Tiere lesen. Der Biologe weiß, dass sie von „überall her kommen“: aus Korsika und Sardinien, aus der Türkei, aus Algerien, aus Italien. Ihn faszinieren die Tiere. Sie sind einzigartig, im Wortsinn, denn sie sind die einzige Familie der Phoenicopteriformes. Der Begriff bezieht sich auf den hoch spezialisierten Schnabel, neben der Farbe ihr wichtigstes Unterscheidungsmerkmal. Er ist an den Innenrändern mit behaarten Lamellen ausgestattet und hilft ihnen beim Filtern von Plankton und kleinen Krebsen aus dem seichten, salzigen Wasser. Die roten, kleinen Salzkrebse geben den Vögeln auch ihre rosa Farbe: Sie sind voll mit Karotinoiden, einem fettlöslichen Pigment, das im Körper der Flamingos in die Kiele der nachwach- senden Federn wandert. Jungvögel sind noch weiß, denn sie bekommen einen speziellen Nahrungsbrei, der keine Karotinoide enthält. Der Farbstoff ist übrigens auch in den Mikroorganismen vorhanden, die in den seichten Salzbecken leben und dem Wasser seinen unwirklichen Rosaton verleiht. 

DIE SCHEUEN MALLORCA-BOTSCHAFTER

Muntaner findet, die Balearenregierung sollte richtig Geld ausgeben, wenn sie die eleganten Tiere das ganze Jahr über halten will, und das Grundstück neben den Salinen kaufen, Sa Barrala. Es ist ein großteils unberührtes Feuchtgebiet, das am Meer mündet. Dort hätten die Tiere Ruhe zum Brüten. Mallorca wäre dann das ganze Jahr über eine Reise wert – für Birdwatcher, Naturfreunde und für Flamingos. Bis dahin muss man sich in der Nebensaison den Tieren nähern. Die Saline bietet Führungen an, und beim Kurhotel Font Santa, an der Landstraße zwischen Campos und Colònia de Sant Jordi, kann man einem ausgeschilderten Weg folgen, der auch zu den Salinen führt. Fernglas nicht vergessen und nicht zu nah ran: Wir wollen sie ja nicht vertreiben, die scheuen Mallorca-Botschafter. (bk)


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