Die Insel erwandern und erzählen

Elke Lässer ist Bergführerin. Sie liebt besonders den so unscheinbaren Südosten: Hier gibt es viel Wissenswertes am Wegesrand.

Die Vorarlbergerin ist professionelle Bergführerin

Viele Geschichten hat Elke Lässer im Rucksack, wenn sie mit ihren Gästen loszieht. Die Vorarlbergerin ist professionelle Bergführerin, das heißt sie ist geprüft und Mitglied im Verband mallorquinischer Bergführer. Damit ist Lässer schon mal etwas Besonderes: Die meisten ihrer Kollegen sind Einheimische, die kaum oder gar kein Deutsch sprechen, und deutsche oder österreichische Kollegen sind meist nicht vor Ort beruflich verbandelt. Sie kommen mit ihrer Gruppe angeflogen und, so Lässer, „haben weder die Orts- noch die nötigen Sprachkenntnisse“.

ISLA Travel Elke_Laesser

Lässer lebt dagegen seit 20 Jahren auf der Insel. Sie kennt Mallorcas Wege und Steige in- und auswendig. Sie weiß, wo verschlossene Gatter drohen, welche Gipfel über der Vegetationsgrenze liegen und deshalb aus blankem, rutschigem Stein sind, und bei welcher Wetterlage man nicht mehr losgehen sollte, auch wenn Mallorcas Klima mediterran und mild ist. Und natürlich kennt sie tausendundeine Geschichten zu ihrer zweiten Heimat. Ein guter Wanderführer kennt nicht nur die Wege, er weiß seine Gruppe auch mit Wissenswerten aus der Region zu unterhalten.


„Viele Wege führen hier an der Küste entlang“ 

Wie ihre Kollegen treibt sie sich vor allem im Tramuntana-Gebirge herum, wo 54 Tausendergipfel warten, über allen der Puig Major, mit fast 1.500 Metern Höhe. Auf der entgegengesetzten Inselseite, im flachen Südosten, gibt es andere Herausforderungen und Erlebnismöglichkeiten: Kilometerlang durch unberührte Natur zu wandern zum Beispiel, zwischen einheimischen Pflanzen und Tieren, vorbei an handgeschichteten Mäuerchen, über alte Schmugglerpfade oder Frachtwege der Steinmetze, die am Meer den Kalkstein abbauten.

Die Ecke rund um Ses Salines, also die Südspitze, ist Lässer besonders ans Herz gewachsen. Denn hier lebt sie. „Viele Wege führen hier an der Küste entlang“, erzählt sie mit gesunder Gesichtsfarbe in einem Café in der Colònia de Sant Jordi, „denn Spaniens Küstenstreifen muss vom Gesetz her öffentlich zugänglich sein.“ Im Süden oder Osten flach am Meer entlang zu wandern, das ist tatsächlich ein Hobby, das die meisten Urlauber für sich noch entdecken müssen. „Die Gegend ist nicht so spektakulär wie die Berge, ganz klar“, sagt Lässer und nimmt einen Schluck Früchtetee, „aber sie ist authentisch und landschaftlich kaum verändert.“ Wandern hier ist die beste Option für Familien, Ungeübte und Genusswanderer: Wo hat man schon stundenlang das Meer an seiner Seite? Wo kann man am Ende schon an einem naturbelassenen Sandstrand entspannen?

Das Castell d'Alaró, ein Klassiker für wanderfreudige Familien 

Wer sich Lässer anvertraut, der kann auch erleben, wie unerwartet schroff es im Südosten zugehen kann. Der Hexenberg (Puig de les Bruixes) zum Beispiel steht in der kleinen Gebirgskette Serra de Galdent, zwischen Llucmajor und Algaida. Er erhebt sich nur 350 Meter in den Himmel und ist doch zum Kraxeln geeignet, sogar eine Gratwanderung ist geboten. „Wer da rauf und wieder runter will, der sollte sich jemand Ortskundigen mitnehmen“, sagt sie – und sich nebenbei die Anekdoten und Volksmärchen vom Hexenberg und seinem Namen erzählen lassen. Manche Mallorquiner sagen auch, der Berg gleiche einem Ameisenhaufen, mit seiner zerfurchten, bewegt wirkenden Oberfläche.

Wer historisch dokumentierte Geschichte bevorzugt, den führt Elke Lässer zu den drei „uneinnehmbaren“ Felsenburgen der Insel: Santueri bei Felanitx, die tatsächlich lange unzugänglich war, weil die Besitzerfamilie Vidal sie bis 2014 verschlossen hielt. Dann das Castell d'Alaró, ein Klassiker für wanderfreudige Familien mit Übernachtungsmöglichkeiten, und die Festung Castell del Rei in Ternelles im wilden Inselnorden waren Trutzburgen: Sie hatten nur ein Zugangstor und dicke Mauern mit Zinnen. Sie erzählen die Geschichte der ewigen Belagerung Mallorcas, denn die ersten Steine errichteten die Römer, später benutzten die Anlagen die Mauren und dann die Christen, die sich vor Piratenangriffen aus Nordafrika und der Türkei schützen mussten. All das vermittelt Elke Lässer sozusagen im Vorbeigehen, bei lockerem Lauftempo. „Zahlen und Fakten nehmen die wenigsten Urlauber mit nach Hause“, weiß Lässer, „Geschichten sind dagegen ein schönes Mallorca-Souvenir.“

 


Drei Wandertipps von Elke Lässer im Südosten Mallorcas:

1. Vom Cap Ses Salines zur Colònia de Sant Jordi 

Man parkt das Auto an der Zufahrtsstraße zum Leuchtturm von Ses Salines. Dann geht man rechts am Meer entlang. Die flache Küstenwanderung führt neun Kilometer dahin. Man geht etwa drei Stunden und kommt an zahlreichen Naturstränden vorbei: Platja Es Caragol, Cala Tugores, Platja d'es Carbó, Platja Es Dofí und Platja d'es Dolç. Ideal mit zwei Autos oder mit Abholern.

2. Zum Hexenberg bei Randa

Die mittelschwere Wanderung startet am Parkplatz des Friedhofs von Llucmajor. Von dort führt der Camí de Galdent direkt hinauf. Nach etwa 15 Minuten biegt man rechts in den Camí de Ferrutxelles ein. Der Weg schlängelt sich insgesamt sieben Kilometer weiter bergauf und gibt bald den Blick auf den Gipfel frei. Gehzeit ist etwa zweieinhalb Stunden. Eine genaue Beschreibung gibt es im Rathaus der Gemeinde Llucmajor, auf der Wanderkarte „Routen, die Sie nicht verpassen können“. Man kann sie auch als PDF online herunterladen:

http://visitllucmajor.com Wanderung Nummer 5: http://bit.ly/2jIBS77 

3. Auf die Festung Santueri

Zur Burg kommt man von der Landstraße Ma-14 aus, die Santanyí mit Felanitx verbindet (Höhe Kilometerstein 13,7). Dort führt ein ausgeschilderter Fahrtweg („Camí des Castell“) zur Burg hinauf, den man nicht mehr verlässt. Die leichte Wanderung dauert etwa eine Stunde. Oben wird man bei klarem Himmel mit einem atemberaubenden Fernblick belohnt: Man sieht Cabrera vor der Südküste, die Berggipfel der Tramuntana im Nordwesten und die weite Ebene der Inselmitte.



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